Zum historischen Erbe gehören die wertvolle Bibliothek und das einmalige Schularchiv mit den alten Beständen. Um beide Einrichtungen haben sich besonders verdient gemacht die Rektoren Longolius und Helfrecht. Als der junge Rektor M. P. D. Longolius 1735 von Leipzig nach Hof berufen wurde, beklagte er das Fehlen einer Schulbibliothek. Bereits bei der Begründung des Gymnasiums standen keine Bücher aus der Librey der Mönche, auch nicht die 1538 in St. Michael aufgestellten libri catenati, zur Verfügung. Die "Bibliothec zu der Schulen zum Hof", die 1591 auf Initiative des Superintendenten D. Aurelius Streitberger und des Landeshauptmanns Adam von Wildenstein eingerichtet wurde und die Grundlage der heutigen Dekanatsbibliothek bildet, umfasste nach der Beschreibung des Rektors M. Joh. Christian Layriz nur 131 Titel. Damit konnte sie den schulischen Ansprüchen des 18. Jahrhunderts nicht genügen. Rektor Longolius bat daher unermüdlich um Stiftungen zum Aufbau einer Schulbibliothek. Seine Bitten fanden Gehör bei den Bürgern und der Ritterschaft, weit über den Umkreis der Stadt hinaus bis nach Rudolstadt, Regensburg, Erlangen, Ulm, wohin ehemalige Angehörige der Schule oder auch ihre Nachkommen verzogen waren.

Am Bestandsaufbau und der Zusammensetzung der Schulbibliothek kommt auch dem Hofer Druck- und Verlagswesen Bedeutung zu. Die Verlage stellten oft ein Exemplar ihrer Editionen dem Gymnasium zur Verfügung. Longolius nahm Einfluss auf das Verlagswesen, verschaffte Aufträge wie etwa den Druck zweier Bände des Zedlerschen Universallexikons durch Joh. Ernst Schultze (Hof, 1738). Er übernahm auch die Mintzelsche Druckerei in das Eigentum der Schule (1746). So wurde Joh. Andreas Hetschel des Hochfürstlichen Gymnasiums Buchdrucker (bis 1801). Dem Bestand der Bibliothek drohte Gefahr, da man in der Zeit der französischen Besetzung ein Magazin in der Klosterkirche eingerichtet hatte. Besonders in den Jahren der Aufhebung des Gymnasiums (1811-1817) blieb die Bücherei ohne Aufsicht des Rektors. Als der Studienrektor Dr. Georg Stephan Lechner 1845 einen neuen Katalog erstellte, bemerkte er, dass eine große Anzahl der von Helfrecht aufgeführten Bücher fehlte. (...)

Worin ist nun der Wert dieser Bibliothek, die heute 40000 Bände mit einem Altbestand von 2796 Werken aus der Zeit vor 1800 umfasst, zu sehen? Sie verfügt über 27 Handschriften; darunter befinden sich 2 Pergamenthandschriften mit Psalmen (1625), eine Übersetzung des NT ins Slawische (1613/16), ein Lutherbrief (1532) und Medlers "Schulbuch" (1547/48). Die älteste Handschrift auf Pergament, als Bucheinband verwendet, enthält ein Priscian-Fragment, das Prof. Balleira von der Universität Turin auf die Zeit von 1050-1110 datiert hat. Er hat es auch in sein Werk "Per il catalogo dei codici di Prisciano", Torino 1982, S. 55 f. aufgenommen und beschrieben. Nach der oben begründeten Abgabe besitzt die Bibliothek noch 14 Incunabeln mit Werken lateinischer Autoren und Humanisten. (...) Hervorgehoben sei die Abteilung Neulatein mit 193 Werken von 100 Autoren aus der Zeit der Renaissance, des Humanismus und der neulateinischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Ferner erscheinen uns bedeutsam die Erstdrucke aus der Barockzeit und der Epoche der Aufklärung.  (StD G. Mulzer, 1996)